Bern Radio QRT

AusrufezeichenBernradio (Rufzeichen HEB) war die weltweit tätige Küstenfunkstelle der Schweiz. Sie war die einzige Küstenfunkstelle der Welt, die von einem Binnenstaat betrieben wurde. Seefunk wurde in der Schweiz seit 1941 betrieben. Der Seefunk in der Schweiz begann mit der Seeschifffahrt des Binnenlandes während des Zweiten Weltkrieges. Die Schweiz war wirtschaftlich isoliert und begann die „Schweizer Flagge zur See“ einzuführen. Seit dem 1. Januar 2009 wurde Bernradio im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft von der Swisscom Broadcast AG betrieben.

Bernradio war für die operative und technische Sicherstellung des Kurzwellendienstes unter allen Bedingungen zuständig. Gesetzlich war Bernradio verpflichtet, in ausserordentlichen Lagen (Krisen- oder Kriegsfällen, die sich irgendwo auf der Welt ereignen) die Kurzwellenverbindungen mit Schiffen unter Schweizer Flagge sowie weiteren Teilnehmern aufrechtzuerhalten.
Für den Datenverkehr auf Kurzwelle betreibt Bernradio zuletzt noch einen PACTOR Level 3 (PACket Teleprinting Over Radio)-Dienst.

Dieser Dienst wurde vor kurzem eingestellt. Somit ist Bernradio HEB Geschichte und die Schweiz hat wieder einen weiteren, wichtigen Dienst verloren.


 

6 Kommentare

  • Michi

    Ganz "autark" war der weltweite Dienst HEB auch nicht. Es benötigte noch weitere über landgestützte Netzwerke (=Internet) angebundene Küstenfunkstellen weltweit.

    Siehe: https://www.swisscom.ch/content/dam/swisscom/en/biz/broadcast-new/sicherheitsfunk/maritime-communications/The%20cost-effective%20communications%20solution%20for%20shipping.pdf

     

    • Martin, Otto

      Doch, Bernradio HEB war zumindest im Kurzwellenbereich autark. Wenn es die Ausbreitungsbedingungen erlaubten, konnte man direkt über KW und Bernradio ins heimische Telefonnetz gelangen. Um Telefongespräche zu führen, hörte man jeweils die "Trafficlist" und meldete sich dann über KW bei Bernradio mit der Positionsangabe. Daraufhin drehte Bernradio die Antennen in die entsprechende Richtung und man wurde mit dem gwünschten Gesprächspartner verbunden. Kosten: 5 Goldfranken pro Minute, was vor 20 Jahren etwa 5 CHF entsprach. Ein teures, aber tolles Vergnügen! Andere Verbindungsarten über grosse Distanzen auf See gab es ja nicht..  Otto,  HB9FFM

      • Michi

        Du sprichst vom HEB Betrieb, den es jedoch seit 2009 schon nicht mehr gab. Auch damals war eine Verbindung aus der Schweiz z.B. nach Australien/China nur selten möglich (da verkehren heute einige der Schiffe unter CH-Flagge als Kohleschlepper).

        Und heute muss man den Begriff "heimisches Telefonnetz" schon sehr klein schreiben. Demnächst wird Swisscom die bewährte ISDN Technologie komplett zu Gunsten von VoIP ablösen. Dann bedeutet jede mittlere Störung im Internet ein grösserer Ausfall der "heimischen" Telefonie.

  • Derzeit ist HEB noch auf der Kurzwelle zu hören: 4250,0 kHz, 6368,5 kHz und 8446,5 im Norden Deutschlands mit sehr gutem Signal zu hören (gestern zwischen 1600 und 1800 UTC).

    • Michi

      Diese drei HEB Frequenzen wurden bis vor kurzem (< 1 Jahr) von Riedern (Rx) / Prangins (Tx) aus bedient und werden vermutlich nun durch Kielradio (http://www.kielradio.de/) betrieben. Kielradio betreibt auch die Frequenzen DAO 6.4340 und 8.6370 MHz

      Nutzer sind wahrscheinlich noch Private, die das Maritime Communication System von Swisscom Broadcast abonniert hatten.

  • Andreas Sommer HB9BRR

    Eine  entsprechende Meldung wurde von Dr. Markus Schleutermann HB9AZT im "FUNK AMATEUR" Heft 10/2016 auf Seite 997, HB-QTC, veröffentlicht. Damit hat sich die Schweizerische Eidgenossenschaft, die bereits Anfangs 2015 den Kurzwellen-Botschaftsfunkdienst eingestellt hat, von der Kurzwelle verabschiedet, und die früher als wichtig erachtete Unabhängigkeit ihrer Auslandsverbindungen von ausländischen Providern aufgegeben. Ob sich diese totale Auslandsabhängigkeit in Krisen- und Kriegsfällen bewähren wird, wird die Zukunft weisen. Die Stichworte CYBER WAR und SCHWEIZ DUNKEL lassen grüssen ! Nun sind wir Amateurfunker wohl die einzigen Übriggebliebenen, die in Krisen völlig autark über Kurzwelle die Verbindungen zu andern Amateurfunkstellen im Ausland sicherstellen können. 21.9.2016 HB9BRR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.